
Krebsprävention
Pro Jahr werden in Österreich etwa 19.500 Männer und 17.400 Frauen mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. Jährlich sterben 9.000 Frauen und 10.000 Männer an Krebs. Krebsleiden sind damit in Österreich die zweithäufigste Todesursachengruppe und für etwas mehr als ein Viertel aller Todesfälle verantwortlich. "Der Kampf gegen den Krebs muss daher für uns alle oberste Priorität haben", so der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner. Dazu sei es notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, mit denen noch mehr Neuerkrankungen vermieden werden können.
Mögliche Maßnahmen beinhalten etwa eine bewusste Lebensführung sowie auch gesunde Ernährung. Zudem sei es hilfreich, die Finger von Zigaretten und Co. zu lassen und den Körper ausreichend zu bewegen, so Dorner. Auf diese Weise könne das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich gesenkt werden.
9 Risikofaktoren mit Einfluss auf Krebserkrankung
"Letztendlich gibt es neun Risikofaktoren, die für ein Drittel aller durch Krebs ausgelösten Todesfälle verantwortlich sind", so Sozialmedizinerin Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin, Zentrum für Public Health. Es handelt sich dabei um Tabak, Fehlernährung, Bewegungsmangel, Fettleibigkeit, Alkohol, Schadstoffe am Arbeitsplatz, Umweltgifte, Krankheitserreger sowie die Sonnenexposition.
Rieder weist auch darauf hin, dass es Risikofaktoren gibt, die für Männer und Frauen eine unterschiedliche Bedeutung oder Gewichtung haben können. Als Beispiel führt die Expertin die Wirkung von Alkoholkonsum auf Brustkrebs an. "Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für Brustkrebs. Bereits bei moderater Menge zeigt sich, dass das Risiko ansteigt, an Brustkrebs zu erkranken", so Rieder.
Bei Männern haben wir eine ähnliche Situation für das Prostatakarzinom“, sagt Rieder. Die Gesamtfettzufuhr als Risikofaktor wurde besonders intensiv in Bevölkerungsstudien untersucht. Diese ergaben, dass die Zusammenhänge zwischen hohem Fettkonsum und Prostatakarzinom deutlicher sind als für Brust- und Darmkrebs. „Beim Prostatakarzinom sind es das tierische Fett und die Fettsäure-Zusammensetzung in rotem Fleisch“, ergänzt Rieder. Insgesamt sei es aber schwierig, einzelne Ernährungsfaktoren als Verursacher zu bestätigen.
Ernährung und Bewegung reduzieren Risiko
Die Ernährung spielt auch bei Darmkrebserkrankungen eine Rolle. Für Frauen und Männer heißt es gleichermaßen: Ein hoher Obst- und Gemüsekonsum von mindestens 800 mg pro Tag kann das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, reduzieren – so festgestellt in großen europäischen Bevölkerungsuntersuchungen.
Körperliche Bewegung ist für Krebsarten wie Brust- und Darmkrebs ein wichtiger Vorsorgefaktor. Es ist nicht nur die Adipositas, die als Krebsrisikofaktor verhindert werden soll. Vielmehr dürfte die Bewegung auch dazu beitragen, das Krebsrisiko zu reduzieren. „Wer sich viel bewegt, hat weniger Risiko, an Adipositas zu erkranken, und in weiterer Folge ein geringeres Risiko für eine Krebserkrankung“, so Rieder.
Fettleibigkeit begünstigt Krebs
Adipositas ist generell mit einem erhöhten Krebsrisiko verknüpft: für Darmkrebs, Brustkrebs bei Frauen in der Postmenopause, Gebärmutterkrebs, Nierenkrebs sowie Speisenröhrenkrebs. „Bei einer Reihe von ‚weiblichen‘ Tumoren, besonders für Gebärmutterkrebs (Endometriumkrebs), zeigt sich das am stärksten erhöhte Risiko“, betont die Expertin.
Auch Infektionen können Krebserkrankungen verursachen, etwa der Leber durch das Hepatitis-Virus, des Magens durch Helicobacter pylori und des Gebärmutterhalses (Zervix) durch das Humanpapillomavirus.
Prävention und Früherkennung
Die meisten Krankheiten sind nicht angeboren, sondern im Laufe des Lebens erworben. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, ein erhöhtes angeborenes Risiko (genetisches Risiko) für eine Krebserkrankung zu haben. Jeder hat die Chance, möglichen Erkrankungen aktiv vorzubeugen. Außerdem können durch spezielle Untersuchungen Erkrankungen in einem noch sehr frühen Stadium erkannt werden.
Bei Lungenkrebs ist die Primärprävention eindeutig: Nicht rauchen kann das Risiko, daran zu erkranken, um 90 Prozent reduzieren. Um Hautkrebs zu vermeiden, sollte übermäßige Sonneneinstrahlung vermieden werden.
Wer regelmäßig zu Früherkennungsuntersuchungen geht, nimmt an der „Sekundärprävention“ teil. Wenn eine Krankheit früh erkannt wird, sind die Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten besonders gut.
Als Screening oder Vorsorgeuntersuchung gelten regelmäßige Untersuchungen, die bei Patienten ohne vorhandene Symptome durchgeführt werden: Krebsabstrich, Darmuntersuchung, Mammografie, Herz-Kreislauf-Untersuchungen. Ziel ist es, mögliche vorhandene Krankheiten in ihrem Frühstadium beziehungsweise Risikofaktoren für bestimmte Erkrankungen zu erkennen.
Früherkennungsuntersuchungen können Leben retten
In Österreich werden regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen (ohne vorangegangene Symptome) für Brustkrebs, Darmkrebs sowie Gebärmutterhalskrebs angeboten. Dies gilt auch für Prostatakrebs – da diese Untersuchung jedoch nicht obligatorisch für jeden Einzelnen jährlich empfohlen wird, ist es hier besonders wichtig, mit seiner Ärztin oder seinem Arzt vorher darüber zu sprechen.
Zudem wird dem Patienten empfohlen, sich selbst auch auf Hautveränderungen zu untersuchen. Im Zuge der Vorsorgeuntersuchung machen das auch die Ärztin beziehungsweise der Arzt.
Wenn Symptome für eine Erkrankung vorhanden sind, wie etwa Blut im Stuhl oder Brustveränderungen, dann wird empfohlen, sich nicht zu einer Vorsorgeuntersuchung anzumelden, sondern sofort mit den Symptomen seine Ärztin oder seinen Arzt aufsuchen, der dann die nötigen Untersuchungen veranlassen wird.
Prostatakrebs am häufigsten
Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist Prostatakrebs (20,5%), gefolgt von Lungenkrebs (16 %) und Krebserkrankungen des Dickdarms (14,7%). Die Krebssterblichkeit hingegen ist am häufigsten bei den Lungenkrebsfällen (24%), gefolgt von Tumoren des Dickdarms (13,7%) und dem Prostatakarzinom (12,5%). Für die nächsten Jahre wird erwartet, dass sich die zunehmende Adipositas (Fettleibigkeit)-Epidemie auf die Häufigkeit von Krebserkrankungen auswirken wird. So hängt zum Beispiel Dickdarmkrebs mit Ernährung und körperlicher Aktivität zusammen.
Darmkrebs - vom Polypen zum metastasierenden Tumor
5800 Menschen erkranken an Darmkrebs, 3000 von ihnen sterben, weil die Erkrankung zu spät entdeckt worden ist. Ganz langsam über Jahre und die längste Zeit schmerzlos wuchern zuerst Polypen im Verdauungssystem, die schließlich zu Tumoren werden und ihre Ableger im Körper verteilen. Rund 20 Prozent der Patienten werden erst erkannt, wenn sich Metastasen schon gebildet haben. Das ließe sich verhindern, würden alle Österreicher ab 50 Jahren an den vorsorglichen Darmspiegelungen teilnehmen.
Erst im Juni 2009 stellten Medizintechniker der Northwestern University bei Chicago in der Fachzeitschrift Cancer Research ein neues Verfahren vor, mit dem Tumore entdeckt werden sollen. Sie schicken Licht durch eine Gewebeprobe, messen dessen Streuung und Reflektion und lassen das Muster durch einen Computer analysieren. Krebsartige Veränderungen hinterlassen molekulare Spuren selbst in Zellen, die weit vom Tumor entfernt liegen. Tatsächlich zeigte die Methode in kleinen Studien eine Trefferquote von 100 Prozent.
In Zukunft könnte allerdings ein simpler Gentest ausreichen, um vorherzusagen, ob ein Tumor Metastasen bildet oder nicht. Den Schlüssel dazu fanden Forscher des Max-Delbrück-Zentrums in Berlin. Das Gen MACC1 steuert einen Mechanismus, der Krebszellen die Eigenschaft verleiht, sehr viel schneller zu wachsen, sich aus ihren ursprünglichen Zellverband zu lösen und sich möglicherweise als Metastase in anderen Geweben wie Lunge oder Leber niederzulassen. Könnte man durch dieses Gen Hochrisikopatienten identifizieren, würde auch eine aggressivere Behandlung Sinn machen.
Krebsbehandlung durch Ionenstrahlen
Das weltweit erste Therapiezentrum zur Behandlung von Krebs mit sogenannten Ionenstrahlen wurde Anfang November 2009 in Heidelberg eröffnet. Mit der 119 Millionen Euro teuren Anlage sollen nur Tumore bestrahlt werden, die der herkömmlichen Strahlentherapie gegenüber extrem unempfindlich sind. Im Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) können künftig bis zu 1.300 Patienten pro Jahr behandelt werden.
Das Therapiezentrum will mit der Anlage, die Ionen auf 75 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und präzise in die Tumoren lenkt, eine Behandlungslücke schließen. Von der Behandlung können grundsätzlich all jene Patienten profitieren, bei denen der Krebs mit der herkömmlichen Strahlentherapie nicht gestoppt werden kann. Bundesweit sind das laut HIT etwa 10.000 im Jahr. Zum Therapiespektrum zählen häufige Hirntumore, die bisher innerhalb von ein bis zwei Jahren zum Tod führen, sowie schwer erreichbare Tumore oder Krebs bei Kindern.
Quellen: Ärztekammer Wien, derStandard