MedConf 2010 - Konferenz zu Informationstechnik in der Medizin

2. Sep 2010

Aktuelles Programm online!


Vom 12. bis 14. Oktober 2010 findet in München zum dritten Mal die MedConf statt, eine hochkarätige Tagung rund um das Thema Medizintechnik. Schwerpunkte der diesjährigen Veranstaltung sind die Neuerungen im Medizinproduktegesetz sowie die "Usability" medizinischer Anwendungen. Begleitet wird der Kongress von einer Ausstellung zahlreicher Anbieter aus dem Umfeld der Medizintechnik.

 

Die MedConf2010 richtet sich an Mitarbeiter und Führungskräfte der F&E-Abteilungen und IT-Abteilungen von Medizintechnikunternehmen sowie an Dienstleistungsanbieter, die in diesem Umfeld tätig sind. Am ersten Tag bieten verschiedene halb- und ganztägige Workshops die Gelegenheit, sich intensiver mit einzelnen Aspekten des Kongressthemas zu befassen.

 

 Am 13. und 14. Oktober decken in jeweils drei parallelen Tracks Fachreferenten aus Industrie und Hochschule ein breites Spektrum von Bluetooth-Profilen für medizinische Geräte bis zu juristischen Implikationen ab.


Die Teilnahmegebühr beträgt 950 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, Bei Anmeldung bis zum 10. September 800 Euro. Mit einem MedConf-Ticket kann auch die parallel stattfindende PharmConf (13. und 14. Oktober), die sich mit der Rückverfolgbarkeit in der pharmazeutischen Industrie, internationalen Richtlinien für computergestützte Systeme sowie dem Dokumentenmanagement beschäftigt, besucht werden.


Weitere Informationen sowie ein ausführliches Programm sind ab sofort unter  www.medconf.de und www.pharmconf.de abrufbar.

 

Quelle: medconf.de, heise.de

Neues Mikroskopier-Verfahren für die Medizin

31. Aug 2010

Deutsche Forscher entwickeln Tool zur optischen molekularen Bildgebung während Operationen

 

Wissenschaftler des Dresdener Universitätsklinikums sowie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus arbeiten zusammen mit fünf weiteren Forschungseinrichtungen an einer neuen Operationsmikroskopie, die weltweit erstmals eine optische molekulare Bildgebung live während einer Operation ermöglichen soll. Gefördert wird das Projekt vom deutschen  Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,2 Millionen Euro.

 

Das neue Verfahren CARS steht für „Coherent Antistokes Raman Spektroskopie“ und ermöglicht, Gewebe und Zellen allein auf Grundlage der molekularen und biochemischen Zellzusammensetzung zu klassifizieren. So wird damit künftig beispielsweise Hirnchirurgen geholfen, Tumorgewebe und -zellen in Echtzeit noch während der Operation zu erkennen.

 

Ein weiterer Vorteil der Methode liegt in der sehr schnellen Aufnahme spektraler Bilder. „Diese Merkmale ermöglichen eine detailreiche Darstellung des Gewebes“, erläutert Gerald Steiner vom Bereich „Klinisches Sensoring und Monitoring“.

 

Die daraus resultierende vermehrte Informationsdichte beschleunige die Untersuchungen und diene zudem der Sicherheit der Behandlung. „Das verspricht eine optimierte Therapie, deutlich verbesserte Prognosen sowie die Einsparung von Kosten“, heißt es aus der Universität.

 

Quelle: hil/aerzteblatt.de

Ärztekammer verwehrt sich gegen Diskriminierung von Übergewichtigen

19. Aug 2010

Dorner fordert konstruktive Vorschläge zur Unterstützung beim Abnehmen statt Beleidigungen und Stigmatisierung

 

Angesichts der aktuellen internationalen Debatte rund um übergewichtige Personen bezieht nun auch Ärztekammerpräsident Walter Dorner klar Stellung: "Ich verwehre mich gegen Diskriminierung jeglicher Art und warne vor einer Hetzjagd von übergewichtigen Personen." Die Ärztekammer unterstützt daher die Stellungnahme des Wiener Programms für Frauengesundheit "Nein zur Stigmatisierung von adipösen Menschen".

Dorner fordert, nach "konstruktiven und menschenwürdigen Vorschlägen zu suchen, die Betroffene mit Gewichtsproblemen beim Abnehmen unterstützen und sinnvoll begleiten".

 

Mit seinem Aufruf bezieht sich der Ärztechef auf die jüngsten Vorschläge der britischen Gesundheitsstaatssekretärin Anne Milton, Übergewichtige in Krankenhäusern und von Ärzten mit "fett" anzusprechen. Dieser Vorschlag werde in Österreich "hundertprozentig keinen Zuspruch" finden, so Dorner.

 

Denn: Zwischen Arzt und Patient solle ein vertrauensvolles Verhältnis bestehen, das "den Patienten ermutigt, sich dem Arzt mit seinen medizinischen Problemen anzuvertrauen". Würde der Patient jedoch mit Beleidigungen - wie von der britischen Staatssekretärin gefordert - konfrontiert, würde das einen "massiven Vertrauensbruch" darstellen.

 

Dorner verweist in diesem Zusammenhang noch einmal auf die bereits vielfach geäußerten Forderungen der Ärztekammer, mehr Turnstunden in den Unterricht aufzunehmen und für eine gesunde Jause in den Schulbuffets zu sorgen. "Die übergewichtigen Kinder von heute sind die chronisch kranken Erwachsenen von morgen - hier gilt es anzusetzen", so der Ärztechef.

 

"Vorsorge statt Stigmatisierung, Bewusstsein statt Ignoranz, gesund statt krank - so lauten die Schlagworte, mit denen wir auf die Betroffenen zugehen sollten", betont Dorner abschließend.

Zwei Branchen kreuzen ihr Erbgut

17. Aug 2010

Pharmafirmen und Technologiekonzerne rücken enger zusammen. Die einen brauchen neue Produkte, die anderen wittern das große Geld.

 

Chalapathi Neti hat einen ungewöhnlichen Job. Im Auftrag des IT-Konzerns IBM sucht der Wissenschaftler weltweit nach Partnerfirmen; allerdings nicht in der IT-Branche. Neti spricht bei Pharmakonzernen vor, um Chancen für gemeinsame Projekte auszuloten. Im Juli 2010 hat IBM und sein Team einen Deal mit dem Schweizer Medizin- und Diagnostikexperten Roche abgeschlossen. Die beiden Partner wollen einen neuen DNA-Sequenzer entwickeln - ein Gerät, mit dem es in Zukunft möglich sein soll, menschliches Erbgut schneller, einfacher und vor allem preiswerter zu entschlüsseln als bisher, so das Handelsblatt.

 

Weniger als tausend Euro soll es kosten, ein Genom - also die Gesamtheit der Informationen, die auf den DNA-Strängen einer Zelle aufgezeichnet sind - vollständig zu erfassen, so das Ziel von Roche und IBM. "Wenn uns das gelingt, haben wir den heiligen Gral der Medizintechnik gefunden", sagt Neti.

 

Teamwork bei der Entwicklung.
Die beiden Firmen sind nicht die einzigen, die den Schritt in eine so ungewöhnliche Kooperation gewagt haben. Unter den Herstellern für Medizintechnik, Laborgeräte und Messinstrumente ist ein regelrechter Hype ausgebrochen, eine neue Welle der Zusammenarbeit zwischen traditionellen Marktteilnehmern und neuen Spielern, die den lukrativen Gesundheitssektor für sich entdeckt haben.

 

Bayer testet derzeit in den USA und in Großbritannien ein Videospiel mit integriertem Blutzuckermessgerät, das so genannte Didget. Kooperationspartner ist der japanische Unterhaltungskonzern Nintendo.


Johnson & Johnson, der große US-Pharmazie- und Konsumgüterhersteller, programmierte mit Apple eine iPhone-Software für Diabetiker.

 

Novartis, der Schweizer Pharmariese, forscht mit dem Biotech-Experten Proteus an einer schlauen Pille, die ein Signal aussendet, sobald sie im Magen angekommen ist. Kosten des Projektes für Novartis: Rund 24 Mio. Dollar.
Für die Firmen der pharmazeutischen Industrie sind solche Kooperationen von existenzieller Bedeutung. Denn: Sinkende Umsätze in ihren Medizinsparten erfordern dringend neue Produkte. "In der Vergangenheit konnten sich die Unternehmen der Branche in der Regel auf wenige umsatzstarke Medikamente verlassen; so genannte Blockbuster", sagt Elia Napolitano, Leiter der Branchengruppe Pharma bei Ernst & Young.

 

"Das reicht heute nicht mehr aus", sagt der Experte. Denn die Hersteller könnten sich keineswegs mehr darauf verlassen, mit Blockbustern allein genügend Erträge zu erzielen. Zum einen werde der Kreis potentieller Patienten, die ein Medikament kauften, immer kleiner, weil neue Präparate auf immer speziellere Krankheitsbilder und damit auf eine immer kleinere Zielegruppe zugeschnitten werden müssten. Zum anderen seien Preiserhöhungen nicht mehr unbegrenzt möglich, da Regierungen in Europa und den Vereinigten Staaten die Branche immer strenger regulieren.

 

Und es gibt ein weiteres Problem, das die Manager nervös macht: Zwischen 2011 und 2015 laufen eine Reihe wichtiger Patente aus, die entsprechenden Pillen werden dann von Generika-Herstellern kopiert - und oftmals für einen Bruchteil des Preises verkauft.


Laut dem Pharmareport von Cowen and Company verlieren bereits im kommenden Jahr Medikamente ihren Patentschutz, die allein in den USA für einen Umsatz von rund 25 Mrd. Dollar sorgen.


Darunter ist der Blockbuster Lipitor von Pfizer, ein umsatzstarkes Cholesterin-Medikament. Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb müssen um die Erträge ihres Mittels Plavix fürchten, eines Medikamentes für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten. Das US-Patent läuft im kommenden Jahr aus, das europäische im Jahr 2013.

 

Fieberhaft suchen die Unternehmen nun nach Wegen, um die Folgen dieser Entwicklung abzufedern. Einige sehen den Ausweg in der modernen Diagnostik. Doch um innovative Blutzuckermessgeräte, DNA-Sequenzierer und Krankenhaustechnik produzieren zu können, die auf dem Markt eine Chance hat, brauchen sie die Hilfe von Spezialisten. Die Technik ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Firmen zunehmend auf professionelle Partner angewiesen sind.

 

Konzerne brauchen Partner.
"Wir können es uns gar nicht leisten, eigene Expertise etwa im Bereich Software aufzubauen", sagt Jon Achenbaum, Senior Vice President der Diabetes-Sparte von Bayer Healthcare. Gerade erst entwickelte sein Konzern gemeinsam mit dem indischen Softwarehersteller Wipro und dem japanischen Technologieriesen Panasonic einen USB-Stick mit integriertem Blutzuckermessgerät - den so genannten "Contour USB".

 

Mit dem Gerät können Diabetiker ihre Blutwerte messen, auf den Computer laden und anschließend statistisch auswerten oder an ihren Arzt weiterleiten. "Bei der Entwicklung profitierten wir von der Fachkenntnis unserer Kooperationspartner", sagt Achenbaum: "Doch unsere Kooperationspartner profitieren ebenfalls."

 

Tatsächlich gibt es für Elektronikhersteller und IT-Konzerne auf dem Markt für Medizintechnik viel Geld zu verdienen. Vor allem seit Regierungen auf der ganzen Welt milliardenschwere Programme aufgelegt haben, um ihr Gesundheitssystem zu modernisieren. So flossen allein in den USA aus dem Konjunkturpaket vom Februar 2009, dem American Recovery and Reinvestment Act, rund 160 Mrd. Dollar in den Gesundheitssektor.


"Das sind gewaltige Investitionen", sagt Chalapathy Neti von IBM. "Und wir wollen unseren Teil davon abbekommen."

 

 

Weiter Debatte um Pflege und Pflegegeld.

16. Aug 2010

Ärzte bestehen auf finale Einbindung und Verantwortung.

 

Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner hatte die Auseinandersetzung um die Höhe des Pflegegeldes schon als unwürdig bezeichnet. In der Debatte um die Entscheidungskompetenz, wer für die Zuerkenntnis von Pflegebedarf zuständig sei, beharren die Ärzte auf ihr bisheriges Recht. Das Morgenjournal vom 16.8. fasst zusammen:

 

 

 

Keine medizinische Diagnose
Es gibt klare Richtlinien für begutachtende Ärzte, festgeschrieben in einer Gutachter-Fibel, sagt Klaus Pirich, stellvertretender Chefarzt der Pensionsversicherungsanstalt. Dabei geht es aber um keine medizinische, sondern um eine Funktionsdiagnose. Als Beispiel nennt Klaus Pirich die Auswirkungen einer Hüftoperation. Dabei komme es darauf an, wie sich die Minderbelastung des Beines auf Situationen auswirkt - Einkaufengehen, Wohnungsreinigung, Mahlzeiten zubereiten.

 

Aufwendige Erhebung
Je nach Pflegebedarf erhebt der begutachtende Arzt die notwendigen Betreuungs- oder Hilfsmaßnahmen. Es gebe klare Definitionen, welche Beeinträchtigungen welchen Pflegeaufwand verursachen, sagt der Chefarzt der Pensionsversicherung. Die Betreuungsmaßnahmen und Hilfsvorrichtungen seien gesetzlich definiert. Besonderheiten könnten durch den Arzt festgesetzt werden. Stellungnahmen des Arztes seien nötig zu Dingen wie tägliche Körperpflege, Verrichtung der Notdurft, An- und Auskleiden, Medikamenteneinnahme und Mobilität.

 

Der zeitliche Aufwand zur Erstellung eines solchen Gutachtens sei von Fall zu Fall verschieden, durchschnittlich sei aber eine Stunde notwendig.

 

Verpflichtende Einschulung
Die Vertragsärzte der Pensionsversicherung werden für ihre Gutachtertätigkeit mit einer theoretischen Einschulung von 10 bis 15 Stunden vorbereitet. Dazu gebe es noch eine praktische Einschulung in Firm von gemeinsamen Hausbesuchen mit einem erfahrenen Kollegebn, sagt Klaus Pirich. Außerdem gebe es verpflichtende Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen. Wenn Ärzte nicht teilnehmen, könne der Vertrag auch gekündigt werden.

 

Anamnese und Diagnose nur durch Ärzte
Der stellvertretende Chefarzt der Pensionsversicherung sagt, Ärzte könnten diese Pflegebegutachtung durchführen, Pflegefachkräfte hingegen nicht, weil sie keine Diagnose erstellen und keine medizinische Anamnese machen können. Und es bedürfe der Pflegefachkräfte auch nicht, um nach dem Bundespflegegegeldgesetz vorzugehen.

 

Die Gutachterfibel für Ärztinnen und Ärzte gibt es seit 2003. Sie wurde im vergangenen Jahr überarbeitet.

 

Morgenjournal

Augenleiden bei Kindern nehmen stark zu

13. Aug 2010

Prävention und geeignete untersuchungen notwendig.

 

Die renommierte deutsche FAZ berichtet, dass Augenleiden bei Kindern europaweit ansteigen. Gefordert werden standardiserte Untersuchungen in Augenkliniken, die auch Hornhauterkrankungen im Vorfeld erkennen. Die FAZ zitiert dazu mehrere aktuelle Studien.

 

Augenerkrankungen, die bereits im Vorschulalter auftreten, sind nicht selten. Etwa 70.000 Kinder leiden an einer Hornhautverkrümmung oder an Weitsichtigkeit, weitere 35.000 schielen, und 21.000 leiden an Schwachsichtigkeit (Amblyopie). Behandelt man sie nicht, lernt das Auge, das beeinträchtigt ist oder sein Bild nicht optimal scharf stellen kann, nicht richtig sehen. Es überlässt dem besseren Partner die gesamte Arbeit. Das bedeutet, dass die Betroffenen lebenslang nur über ein einziges sehtüchtiges Auge verfügen.

 

In den Vereinigten Staaten ist die Schwachsichtigkeit die häufigste Ursache eines einseitigen Sehverlustes bei Menschen unter 40 Jahren. Meistens bemerken weder das Kind noch seine Eltern oder die Erzieherin im Kindergarten das einseitige Defizit, so gut kann das bessere Auge dies kompensieren. Erkennen lassen sich diese frühen unscheinbaren Beeinträchtigungen lediglich durch professionelle Untersuchungen. Ein systematisches Sehscreening im Vorschulalter durch die Augenärzte ist jedoch vorläufig gescheitert. Wie Wolf A. Lagrèze von der Universitätsklinik in Freiburg im „Deutschen Ärzteblatt“ schreibt, können offensichtlich selbst professionelle Gutachter nicht entscheiden, ob eine solche Vorsorgeuntersuchung sinnvoll und nützlich wäre.

 

Wie geht man Sehstörungen bei Kindern am besten an?
Beauftragt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, IQWiG, vor zwei Jahren einen Bericht veröffentlicht, der den Nutzen eines augenärztlichen Screenings in Frage stellte. Der Bericht war von Seiten der Augenärzte massiv kritisiert worden. Fast gleichzeitig wurde in England vom National Institute of Health Research ein ähnlich umfassender Bericht vorgelegt, der letztlich dasselbe Datenmaterial zur Verfügung hatte und zu dem Schluss gelangt ist, dass ein flächendeckendes Sehscreening die Häufigkeit von einseitiger Schwachsichtigkeit senken könnte.

 

Zum einen stellt sich also die Frage, wie verlässlich Antworten einer nationalen Prüfinstanz sind. Zum anderen ist damit immer noch keine Lösung gefunden, wie man kindliche Sehstörungen am besten angeht. Einig ist man sich immerhin darin, dass die Häufigkeit der kindlichen Sehstörungen es rechtfertigt, nach ihnen zu suchen. Klar ist auch, dass es eine wirksame Behandlung gibt. Denn wenn man entweder eine Verkrümmung der Hornhaut mittels Brille ausgleicht oder das schwächere Auge quasi zu Sehübungen zwingt, indem man mit einer Augenklappe das stärkere abdeckt, holt das Kind den Rückstand wieder auf. Zudem lässt sich Schielen operativ durch Verkürzung der Augenmuskeln angehen. Das IQWiG bewertet indes den möglichen psychischen Schaden, den die Kinder erleiden können, weil sie etwa von anderen gehänselt werden, deutlich höher als die britische Kommission.

 

Schwarzer Peter an die Kinderärzte
Der Gesamtnutzen einer Vorsorgeuntersuchung hängt ebenfalls davon ab, wie man das Risiko für das sehtüchtige Auge beziffert. Geht es durch einen Unfall oder infolge der im Alter häufigen Makuladegeneration verloren, bedeutet dies den Verlust des gesamten Sehvermögens. Je nachdem, wie man die Lebensqualität bei Erblinden einschätzt, bemisst sich der Nutzen eines Screenings jeweils anders. Da aber die Datenlage offenbar keine definitive Entscheidung zulässt, sind die Beteiligten auf andere Kriterien angewiesen. In Deutschland hat man den Schwarzen Peter den Kinderärzten zugeschoben und ein zusätzliches, aber letztlich minderwertiges Sehscreening in die neue Vorsorgeuntersuchung U7a hineingepackt - ohne dass die geforderten Untersuchungen auch nur annähernd honoriert würden. Denn schon für Augenärzte ist eine solche Untersuchung keine Anfängerübung.

 

Lagrèze verweist auf eine von der Bertelsmann-Stiftung geförderte Studie, in der 665 Kindergartenkinder im Alter von dreieinhalb bis viereinhalb Jahren untersucht wurden. Spezialisten für das Schielen sind bestens darin geschult, die Sehfähigkeit von Kindern zu testen. Sie sind beispielsweise in Augenkliniken oder bei einem niedergelassenen Augenarzt tätig. 28 Prozent der von ihnen untersuchten Kinder zeigten Auffälligkeiten beim Sehen, aber diese waren zu 70 Prozent bei der U-Untersuchung von den Kinderärzten nicht entdeckt worden.

 

Die Berufsverbände der Kinderärzte und der Augenärzte sind sich darin einig, dass ein Vorschul-Sehscreening in die Hand der Augenärzte gehört hätte. Das nützt Eltern, die um diese Hintergründe wissen, aber wenig. Sie sind gut beraten, wenn sie im Kindergartenalter eine umfassende Vorsorgeuntersuchung von Spezialisten, die sich auf rund fünfzig Euro beläuft, selbst bezahlen. Denn auch dann, wenn das sehtüchtige Auge vieles zu kompensieren vermag, ist doch das räumliche Stereosehen schlechter oder funktioniert gar nicht.

 

Quelle: F.A.Z.
Bildmaterial: Rainer Wohlfahrt